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Studien zur Geschichte des westlichen Zentralafrika

Projektleiterin und wissenschaftlich Hauptbeteiligte: Dr. Beatrix Heintze

Das Projekt wurde mit Buchveröffentlichungen in den Jahren 2007, 2008 und 2013 abgeschlossen.

 

1.) Verwandtschaft und Politik im westlichen Zentralafrika des 19. Jahrhunderts
Verwandtschaftsbeziehungen, besonders Nepotismus und gezielt geknüpfte Heiratsverbindungen, haben vor allem in den Eliten vormoderner Gesellschaften von jeher eine herausragende politische Rolle gespielt. In Gebieten für die, wie in Zentralafrika, keine zeitlich weit zurückreichenden Schriftquellen zur Verfügung stehen, läßt sich der Einfluß von verwandtschaftlichen Beziehungen auf die Politik jedoch meist nicht konkretisieren. Die im 19. Jahrhundert einsetzenden ethnographischen Studien waren meist nur an generalisierenden Bestandsaufnahmen interessiert, nicht an politischen Prozessen oder tagespolitischem Geschehen.

Der vielbändige und detaillierte Bericht von Henrique Dias de Carvalho über seine Expedition ins Lunda-Commonwealth (1884 – 1888) ist für dieses Thema deshalb ein Glücksfall. Eine aufmerksame Lektüre dieser Quelle offenbart, wie sehr „Verwandtschafts“-Konzepte damals in Zentralafrika den politischen Diskurs bestimmt haben, und zwar nicht nur auf lokaler Ebene, etwa in der Dorfgemeinschaft, oder auf ethnischer Ebene, wie z. B. unter den Rund oder Lunda, sondern auch translokal und transethnisch zwischen sich sprachlich und kulturell unterscheidenden und von einander abgrenzenden Volksgruppen oder Völkern, also etwa zwischen den Rund/Lunda und den Chokwe oder den Mbangala, zwischen zentralafrikanischen Völkern und Luso-Afrikanern aus Portugiesisch-Angola oder sogar zwischen dem König von Portugal und dem König der Rund/Lunda. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen daher, neben dem metaphorischen Gebrauch von Verwandtschaftstermini und Heiratspolitik, vor allem die postulierte genealogische Verwandtschaft zwischen einzelnen Ethnien oder Völkern im Rahmen konkreter politischer Auseinandersetzungen.

Die für dieses Jahrhundert dokumentierten, vielfältigen translokalen „Verwandtschafts“-Beziehungen müssen im Kontext der besonders in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dramatisch zunehmenden wirtschaftspolitischen Veränderungen in Zentralafrika analysiert werden. Stichworte dafür sind nach dem Übergang vom Atlantischen Sklavenhandel zum so genannten „legitimen“ Handel der stark anwachsende Fernhandel mit relativ schnell wechselnden afrikanischen Exportgütern (Wachs, Elfenbein, Kautschuk), ein daraufhin zunehmender binnenafrikanischer Sklavenhandel, die mit diesen Veränderungen in enger Verbindung stehenden Chokwe-Migrationen und der durch alle diese und andere Prozesse beschleunigte Niedergang des einst mächtigen Lunda-Commonwealth.

 Das Projekt wurde mit Veröffentlichungen in den Jahren 2010, 2011 und 2013 abgeschlossen.

2.) Angola nos séculos XVI e XVII. Estudos sobre fontes, métodos e história
Vom angolanischen Kultusministerium gefördertes Projekt eines Buches und dessen portugiesische Übersetzung in Zusammenarbeit mit Marina Santos (Lissabon), das 2007 mit einer Buchveröffentlichung in Luanda (Angola) abgeschlossen wurde.

3.) Buchprojekt: Angola on the Move: Transport Routes, Communication and History
Es handelt sich um die Ergebnisse einer von Beatrix Heintze und Achim von Oppen 2003 mit Unterstützung der Volkswagen-Stiftung organisierten Tagung am Zentrum Moderner Orient in Berlin, die nun in einer Auswahl und Bearbeitung in einem Sammelband zur Veröffentlichung vorbereitet wurde und im Frühjahr 2008 erschienen ist.

 

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