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Westliche Normen und lokale Medien in Afrika

Projektinitiative im Rahmen des Forschungsfelds "Die Geschichtlichkeit normativer Ordnungen" des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Projektleiter: Prof. Dr. Mamadou Diawara; zur Bearbeitung des Forschungsvorhabens werden ab April 2008 Mittel des Clusters zur Verfügung gestellt.

Die vielschichtigen Umdeutungsprozesse, die der koloniale Transfer westlicher Werte und Normen in Afrika in Gang gebracht hat, treffen in den unterschiedlichen afrikanischen Gesellschaften auf etablierte Wissensbestände und Lebenspraxen und werden jeweils auf dem Hintergrund lokaler kultureller Deutungsmuster interpretiert. Dadurch kommt eine ganz eigene Veränderungsdynamik in Gang, während der diese anderen als den ursprünglich beabsichtigten Zwecken zugeführt werden. Es liegen kaum Untersuchungen über die Hintergründe dieser teils bewussten, teils unbewussten Strategien der wechselseitigen Beeinflussung vor. Auch werden Rückkoppelungen der Wirkung Afrikas auf Europa meist völlig außer Acht gelassen. Zudem gingen normative Aneignungsprozesse und Veränderungen innerafrikanisch von jeweils benachbarten Gesellschaften wie auch von der Verbreitung des Islam aus. Veränderungen normativer Ordnungen, die durch andere Akteure der Globalisierung vorangetrieben sind also ebenso ein wichtiges Forschungsfeld. Ein weiteres Feld brisanter internationaler Debatten um die Durchsetzung von Normen stellt der Umgang mit Urheber- und Patentrechten dar, die in Afrika insbesondere und dem Sektor der kulturellen und natürlichen Ressourcen international besondere Relevanz erfahren.

Die lokalen und internationalen Rechtfertigungsnarrative werden von den Medien reproduziert und tragen von daher in besonderem Maße zur Normenveränderung bei. Die Wirkung der Medien wurde in elaborierten theoretischen Überlegungen hinlänglich debattiert, jedoch in Bezug auf Afrika kaum ethnographisch belegt. Dies bemängelte Abu-Lughod bereits vor zehn Jahren, es hat sich daran jedoch bisher kaum etwas geändert. Ferguson und Gupta vermuten, dies liege daran, dass die Massenmedien nur schwer verortbar seien. Ihre Ausstrahlung ist global, jedoch werden sie von Personen oder Organisationen mit einem bestimmten kulturellen Hintergrund lokal erarbeitet. Diese komplexen Prozesse lassen sich nur verstehen, wenn sie vor Ort genau untersucht werden. Dadurch können wir zu einer praxisrelevanten Theorie der Entwicklung beitragen.