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Nutzung der Ressource Landschaft und sozio-kultureller Wandel auf der iberischen Halbinsel

Teilprojekt des SFB 1070 RessourcenKulturen (Tübingen)

Projektleitung: Prof. Dr. Roland Hardenberg; Prof. Dr. Martin Barthelheim
Projektmitarbeiterin: Maike Melles

 

Die ressourcenorientierte Gestaltung, Organisation und Kontrolle von Landschaften stehen im Fokus des Teilprojekts. Mit einem interdisziplinären kulturanthropologischen Ansatz werden eng verknüpfte archäologische und ethnologische Forschungen zum Umgang mit Landschaften, deren Perzeptionen und Interpretationen sowie die Nutzung von Ressourcen durchgeführt und die damit verbundenen spezifischen sozio-kulturellen Dynamiken mit langer zeitlicher Perspektive untersucht. Wie bereits in der ersten Phase steht der Kontrast zwischen den agrarisch günstigen Zonen im küstennahen Süden und den arideren Gebirgs- und Inlandregionen der Iberischen Halbinsel im Blickpunkt. Nach den bisherigen Forschungsergebnissen zum Chalkolithikum zeigt sich ein regional deutlich differenzierteres Bild als die zuvor angenommenen generellen markanten Unterschiede in Wirtschafts- und Siedlungsweise zwischen dem südlichen Küstenraum und dem inneren Hochland. Die für die nachfolgende Bronzezeit postulierte zunehmende Spezialisierung in eine vorrangig Ackerbau treibende, sesshafte und eine primär viehzüchterische, mobile Lebensweise als Adaptionen an die spezifischen Naturbedingungen soll in der zweiten Phase im Rahmen einer interdisziplinären Regionalstudie im sehr fruchtbaren Tal des Guadalquivir und in der benachbarten, relativ trockenen Sierra Morena analysiert werden. In beiden Regionen ist die charakteristische westmediterrane Landschaftsform,  die mit unterschiedlichen Eichenarten bestockte und als Weidefläche genutzte Dehesa, zu finden. Mit einem integrativen Forschungsansatz werden die Umgangsformen mit dieser Kulturlandschaft, die zugehörigen spezifischen Ressourcenkomplexe und die damit verbundenen sozio-kulturellen Dynamiken auf einer möglichst breiten methodischen Basis sowohl aus archäologischer als auch ethnologischer Perspektive untersucht. Dies geschieht in eng aufeinander bezogenen Fallstudien mit vorgeschichtlichem (v. a. bronzezeitlichen) und historischem sowie rezentem Quellenmaterial. Die Ergebnisse werden anschließend vor dem Hintergrund des weiteren kulturanthropologischen Forschungsfelds zu diesem Thema diskutiert. Ziel ist es 1) mit interdisziplinären Forschungsansätzen zu untersuchen, wie Landschaften als Ressourcengefüge organisiert, gestaltet und kontrolliert wurden, 2) die sozioökonomischen Implikationen der Interaktion zwischen agrarischen und pastoralen Nutzungsformen von Landschaften zu analysieren und 3) die sozialen Strukturen von sesshaften gegenüber mobilen Gemeinschaften zu differenzieren. Mit dem für den SFB RESSOURCENKULTUREN entwickelten Ressourcenkonzept, das Ressourcen als sozial und kulturell geprägte Konstrukte und Prozesse begreift, sollen traditionelle makrohistorische Interpretationen hinterfragt und die Befundlage in neuer Perspektive betrachtet werden. Darüber hinaus liegt der Wert der hier verfolgten Fallstudien für den SFB darin, zur weiteren gemeinsamen Arbeit am Ressourcenkonzept durch die diachrone und interdisziplinäre Analyse komplementärer Regionalstudien beizutragen.