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Die Tschadseeregion als Wegekreuz: Erste Untersuchungen zu Archäologie und mündlichen Überlieferungen des frühen Kanem-Borno Reichs und dessen innerafrikanischen Verbindungen

Förderung: Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: Januar 2019 -Dezember 2021

Leitung: Dr. Carlos Magnavita, Prof. Dr. Dangbet Zakinet (Université de N’Djamena)

Aus Schriftquellen wissen wir, dass die Tschadseeregion ein Wegekreuz von besonderer Bedeutung für das mittelalterliche und nachmittelalterliche Afrika war. Diese Region stellte einst das Kerngebiet des Kanem-Borno Reichs (8.-19. Jh. AD) dar, welches unter anderem für seine transsaharischen Verbindungen mit Nordafrika bekannt ist. In diesem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des neu eingerichteten Schwerpunktprogramms "Entangled Africa" (SPP 2143) geförderten Projekt geht es um die Erforschung der unklaren mittelalterlichen Anfänge Kanem-Bornos. Als ältester historisch bekannter vorkolonialer Staat südlich der Sahara zwischen dem Marrah-Gebirge im heutigen Sudan und dem Fluss Niger in Westafrika stellt uns das Reich immer noch vor zahlreiche Rätsel. So wissen wir gegenwärtig  weder wo dessen frühe Machtzentren lagen und wie diese aussahen noch inwieweit das Reich mit anderen afrikanischen Regionen politische, ökonomische und kulturelle Verbindungen unterhielt.
Anders als die verfügbaren und größtenteils bereits durchleuchteten historischen Dokumente bieten Archäologie und lokale mündliche Überlieferungen noch weitgehend unerschlossene Informationsquellen zu Kanem-Borno. Dies gilt insbesondere für die Anfänge und frühe Entwicklung des Reichs vor dem 15. Jahrhundert AD. Das Projekt konzentriert sich so auf Erfassung und Analyse materieller Zeugnisse und oraler Traditionen, die Einblicke in bislang wenig bekannte historische Vorgänge in jener Zeit geben können. Im Hinblick auf die Fragestellungen des Projekts gilt unser besonderes Augenmerk der Erforschung archäologischer Fundstellen mit Backsteinbauten in der Region Kanem - östlich des Tschadsees in der heutigen Republik Tschad. Da diese Konstruktionen einen klaren Beleg für eine von außen nach Zentral- und Westafrika eingebrachte Bautradition und -technologie sind, stellen sie auch den idealen Ausgangspunkt für unsere Untersuchungen dar. In Bezug auf frühe Fernverbindungen richtet sich unser Blick vor allem nach Osten, da wir Beziehungen entlang des Savannengürtels zwischen den christlichen Reichen des mittleren Niltals, der Tschadseeregion und Westafrika vermuten.
Hauptziel der ersten Projektphase (2019-2021) ist die Durchführung empirischer Grundlagenforschung zu jenen Fundstellen, um verlässliche Informationen zu erhalten, die auf Zeitpunkt und Richtung der auf die Region eintreffenden Fremdeinflüsse schließen lassen. Diese Daten werden letztlich als Ausgangspunkt für vergleichende Untersuchungen dienen; im Rahmen einer eventuellen zweiten Projektphase sollen diese zu systematischen überregionalen Vergleichen mit anderen afrikanischen Regionen einschließlich des mittleren Niltals sowie Nord- und Westafrikas ausgebaut werden. Insgesamt gehen wir davon aus, dass Die Tschadseeregion als Wegekreuz eine Fülle neuer Informationen über die frühen historischen Verbindungen von Kanem-Borno liefern und somit zu einem umfassenderen Verständnis der komplexen Vergangenheit Afrikas im Mittelalter beitragen wird.