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Bahá’í-Sein und -Werden in Kirgistan – Religiosität und Konversion im Kontext einer globalisierten Vermittlung von religiösem Wissen

Art Schrein in Wohnung in Tokmok Neuenhaus JonahProjektleitung: Jonah Neuenhaus

Projektbetreuung: Prof. Dr. Roland Hardenberg, PD Dr. Susanne Fehlings

Laufzeit: November 2020 – April 2026

Förderung: Deutscher Akademischer Austauschdienst (September 2021- September 2022; Februar 2024 - Februar 2026)

 

Das Promotionsvorhaben fokussiert auf die Bedeutung von religiösem Wissen für lokale Interpretationen des Bahá’í-Glaubens in Kirgistan, einer postsowjetischen Republik in Zentralasien. Das Projekt basiert auf insgesamt 16 Monaten Feldforschung, die von 2019 bis 2024 stattgefunden haben.

Im Rahmen meiner Arbeit beschreibe ich zunächst aktuelle religiöse Praktiken, Vorstellungen und Positionen in der kirgisischen Bahá’í-Gemeinde. Dabei lässt sich feststellen, dass vor Ort Idealvorstellungen von einem „richtigen“ Bahá’í-Sein stetig ausgehandelt werden und teilweise in konfliktbehafteten Beziehungen zueinander stehen: Im Laufe der letzten 15 Jahre haben sich von einer transnationalen administrativen Ordnung ratifizierte Aktivitäten zur Verbreitung von schriftbasiertem religiösem Wissen zum zentralen Referenzpunkt solcher Dynamiken entwickelt. Während nationale und lokale Institutionen der Bahá’í-Gemeinde Kirgistans diese Aktivitäten mittlerweile als Teil eines guten Bahá’í-Seins definieren, nach ihrer Implementierung in konkreten Nachbarschaften und Dörfern streben und grundsätzlich schriftbasierte Idealtypen priorisieren, erfahren solchen Idealtypen zuwider handelnde Bahá‘ís ihre Religiosität als marginalisiert. Um solche Dynamiken besser verstehen zu können, setzt sich die Arbeit in der Folge gezielt mit folgenden Fragen auseinander: Wie sind Prozesse des Bahá’í-Werdens, also der religiösen Konversion, abgelaufen und voneinander zu unterscheiden? Wie haben Bahá’ís gelernt, was es überhaupt heißt ein „guter“ Bahá’í zu sein? Welche Rolle spielen dabei transnationale administrative Strukturen genau? Welche Kategorien und Werte sind dabei von besonderer Bedeutung und warum?

Die Dissertation soll so schließlich zum theoretischen Verständnis von religiösen Konversionen und von religiösen Formen im post-sowjetischen Alltag beitragen. Die Ergebnisse werden aktuell verschriftlicht.